Die Urschrift des Rigilieds.

Nach der Gründung des Bundesstaats 1848, als das Reisen innerhalb der Schweiz vereinfacht wurde, weil es keine Binnenzölle mehr gab, verbreitete sich das Rigilied bei den Älplern am Vierwaldstättersee – und dort ist auch die heute gängige Melodie (Neue Melodie) entstanden. (...) „Das Flachland gebiert keine solchen Weisen, des sind wir sicher“, schreibt Gassmann. Die ursprüngliche Melodie sei einfacher gewesen, ein „dilettantenhaftes Produkt“, „gedankenlos und seicht“. Es verwundert überhaupt nicht, dass sich die Bergler-Variante mit den neu hinzugefügten Jodlerintermezzi („Huppe la lal lal la“, später „U-di-rü-el-le-le“ oder auch „U-di-eü e-ü di-e-ü ho“ und „Holie-gugu“) durchgesetzt hat.

In der „Urschrift“, die der einzige ernstzunehmende Rigilied-Forscher Alfred Leonz Gassmann 1904 nach einem mündlichen Vortrag des Sohns des Komponisten anfertigte, lautet der Text des Rigilieds wie folgt:

Rigilied (1832)

Uuf, i d’Hand d’r Bärgstock g’noh,
mir wei mit’nand uf d’ Rigi goh!
Es söll m’r dört g’wüss lustig sii.
M’r seit, sie heige guete Wii.

Vo Luzärn uf Wäggis zue
bruucht me weder Strümpf no Schue.
M’r fahrt jo lieber uf em See,
wohl für die schöne Fischli z’g’seh.

Z’Wäggis dört foot’s Stiige na,
mit euse Jumpfere, hoppsassa!
Do heisst es: Laufit nit eso,
mir möge scho no ufe g’cho.



Im Chalte Bad dört chehrt me ni
und trinkt es Glesli guete Wii.
Do heisst es: Mir wei bliibe do,
mir möge doch nit ufe g’cho.

Loset, wie die Glöggli chlingle,
und die Chüehli lustig springe;
söll mi wohl dr Chueni neh,
Schöneres cha me gar nit g’seh.

Wo mir si uf d’Rigi cho,
do lauft is es Sennemeitli noh.
Es treit is Alperöseli a
und seit, es heig au no kei Maa.



D’r Lüthi, ach, dass Gott erbarm!
Es hang’t scho eini a sim Arm;
er hätt’ ere selle ne Chrüüzer gee,
wenn er no meh hätt’ welle g’seh.

D’r Hammer, dää het’s Blüemli g’noh,
es wird im suufer usecho.
Jetz darf er nümm uf d’Rigi goh,
söst schickt im ’s Meitli ’s Büebli noh.